Fleisch aus der Massentierhaltung

Von Dr. Elisabeth Meyer - Renschhausen

Tier &Mensch E- mail: tumevberlin@aol.com

 

Probleme der Welternährung(2012)S. 6-7

 

In Westkanada kann kein Farmer oder Gärtner mehr ökologischen Kohl ziehen. Die Firma Monsanto (jetzt Bayer) hat mit List, Gewalt und Betrug gentechnisch veränderten Raps durchgesetzt, wie uns der Rapssaatbauer Percy Schmeisser berichtete. Wenn der gentechnisch veränderte GVO-Mais auf den Feldern nur einiger weniger Farmer wächst, werden auch alle anderen Kreuzblütler, also Kohlpflanzen, der weiteren Region mit GVO infiziert. Die    "Ernährungsdiktatur"  - wie die Agrarjournalistin Tanja Busse dieses Phänomen nennt- ist also schon da. Wenn wir Fleisch aus der Massentierhaltung konsumieren, essen wir gentechnisch verändertes Soja aus Südamerika, ob wir wollen oder nicht. Wir verzehren mit unserem Steak Soja und Mais von Feldern, denn die vielen Puten, Schweine und Rinder auf unseren Tellern werden nun schon bald 30 Jahre lang "fern-ernährt". Wäre es nicht sinnvoller, diese Äcker in Brasilien oder Argentinien den einheimischen Landlosen zu überlassen, damit sie sich selbst helfen können und Lebensmittel für den eigenen Unterhalt anbauen können? Und in ihrer Not nicht noch weiter in den Amazonas- Urwald eindringen, um dort " herrenlosen" Urwald zu roden? Per Fleischverzehr ernähren wir uns von Feldern, die infolge Betrug, Korruption und brutaler Gewalt erst kürzlich in den Regenwald hineingeschlagen wurden.

 

Das Problem ist, dass abgeholzte Regenwaldböden nach bereits fünf Jahren so erschöpft sind, dass sie für den Fruchtanbau nicht mehr taugen. Sie werden zu unfruchtbaren Steppen, die allenfalls relativ wenige Rinder ernähren. Wir wissen, dass die Weltgesellschaft die Regenwälder als Puffer gegen den Klimawandel braucht. Denn Bäume " atmen"  wir Mensch und Tier. Pflanzen, besonders Wälder, eliminieren überzähliges Kohlendioxid in unserer Luft. Denn CO² im Übermaß ist das Ergebnis unserer Ökonomie, die auf dem Verwenden "fossiler Brennstoffe" beruht. Der so produzierte Rauch und die Abgase der Autos bestehen zu guten Teilen aus CO², und das ist der Hauptverursacher des Klimawandels, der z.B. den Menschen am Horn von Afrika in den letzten fünf Jahren dramatische Dürren beschert hat.

 

Der Klimawandel infolge der  Emissionen unserer Heizungen, Autos und Landmaschinen kann so auch die Selbstversorger-Wirtschaften, wo sie noch existieren und "ihren Mann gut ernähren", schwer beeinträchtigen. Nehmen wir Ostafrika: Eigentlich könnten sich die Kleinbauern in den fruchtbaren Bergregionen des großen Grabenbruchs gut selbst ernähren. So wie sie es seit Jahrhunderten tun. In jenen oft bergigen Regionen dieser Welt, wo die Kolonialmächte nicht eingegriffen haben, leben Minifarmer von ihrer Gartenlandwirtschaft seit Jahrhunderten "autark". Natürlich nicht ohne örtliche Märkte, wo sie ihre Produkte mit den Bewohnern der angrenzenden Savanne tauschen. So etwas die Konso, die traditionell von ihrer eigenen Selbstversorger -  Landwirtschaft leben. Zu einer solchen Wirtschaft gehört dazu, die Überschüsse samt besonderen Verkaufsfrüchten ("cash-crops": Baumwolle, Kaffee oder Avocado) auf den lokalen Märkten anzubieten. Denn auch wenn die Konso-Bauern von weniger als einem Dollar pro Tag im Prinzip gut leben können, brauchen auch sie Bargeld, um sich Kleidung, Lampen, Brillen, neuerdings auch Fahrräder oder Handys kaufen, oder auch zum Arzt gehen zu können.

 

Wenn jedoch infolge des Klimawandels mehrfach hintereinander eine Regenzeit ausfällt oder die von der Dürre noch stärker betroffenen Nomaden ihre Kühe auf die Felder der Bauern treiben, kann es zu Hunger oder gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen.  40% alles Treibhausgas-Emissionen werden heute direkt oder indirekt durch die Großlandwirtschaft bzw. Lebensmittelindustrie verursacht informiert uns der bereits erwähnte Weltagrarbericht (AASTD).

 

Fortsetzung folgt!      

 

 

 

19.2.18 18:33, kommentieren

Demo:  "Wir haben es satt"             von Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen

                                                                Tierschutz-Testfall unserer Menschlichkeit

                                                              Aus: Probleme der Welternährung. Die neue

                                                                 Bodenfrage. Tier & Mensch e.V.Berlin

                                                                 Gemeinnütziger Tierschutzverein (2012).

                                                                 E-mail:tumevberlin@aol.com

Warum es notwendig ist, sich bewusst zu ernähren                                       

    Es war 1996 auf dem Welternährungsgipfel der FAO und seinem alternativen Gegengipfel in Rom, als mir die globale Dimension unserer Verzehrgewohnheiten klar wurde. Zusammen mit Maria Mies hatte die Sozialaktivistin Farida Akhter aus Bangladesch  einen "Women´s Day on Food" organisiert. Das Interesse an den Kurzvorträgen aus aller Welt war riesig. Haupterkenntnis: Kleinbäuerinnen und Kleinbauern des Südens ernähren die Welt. Die offiziellen Statistiken sind falsch. Sie zählen nur, was über die größeren Märkte läuft oder besteuert wird. Die Lebensmittelindustrie ernährt nahezu die gut verdienenden Städter. Und zwar nicht nur des Nordens, sondern auch des Südens. Die Slumbewohner in den Mega Cities des Südens, und das sind die meisten, können es sich nicht leisten, Lebensmittel im Internationalen Supermarkt zu kaufen. Sie hungern. Wer hat z.B. in Addis Abeba im Supermarkt schon einmal einen Armen gesehen?

    Zurück nach Rom im Jahr 1996. Nach dem erfolgreichen "Women´s Day on Food", ging es zur Feier des gelungenen Tages in ein kleines Keller-Restaurant. Farida Akhter aus Bangladesch bestellte nichts weiter als blanken Reis. Sie war empört über die Shrimps in fast jedem Gericht der Speisekarte. Für Garnelen-Farmen nämlich werden in Asien die Mangrovenwälder an den Küsten abgeholzt. Das Resultat ist, dass Bangladesch und andere Küstenregionen öfter und länger andauernden Überschwemmungen ausgesetzt sind als bisher. Überflutungen, die heute im Gegensatz zu früher die ganze Ernte der küstennahen lebenden Bauern vernichten. Der Boden versalzt, auch Nass-Reisanbau wird unmöglich. Jetzt müssen sich auch die betroffenen kleinen Bauern auf Fischzucht umstellen oder in die Stadt gehen. In Dakka leben schon 20 Millionen Menschen, von denen etwa die Hälfte nicht ausreichend zu essen hat.

    Jedes Lebensmittel, das ich konsumiere, kommt irgendwo her. Mit meiner Entscheidung, dies oder jenes zu essen, beeinflusse ich, ob ich will oder nicht, Weltpolitik und Weltwirtschaft. Die Existenzmöglichkeiten der Landbevölkerung in den Ländern des Südens hängt von meinen Kaufentscheidungen ab. Essen ist insofern auch im Weltmaßstab etwas Soziales. Wenn die Menschen heute versuchen, sich mit möglichst knappem "ökologischen Fußabdruck" "klimaneutral" lokal zu ernähren, empfinde ich das als einen wundersamen Ersatz des Tischgebets von ehedem. Zumal es auch bei uns nur noch eine Frage der Zeit ist, wie lange wir noch selbst bestimmen können, was wir essen. Seit 15 Jahren beherrschen fünf bis sieben Ernährungsmulties der "Life-Industrie" den Weltmarkt: in wechselnden Konstellationen und mit wechselnden Namen Monsanto, Nestle, Knorr, Bayer etc. Die Wirtschaftsmacht dieser " International Co-Operatives" ist so überwältigend, dass sie gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Bürger Europas das Zulassen von gentechnisch veränderter Saat (Mais, Kartoffeln) durch das Europäische Parlament durchboxen konnten. Und zwar, obwohl auch den Agrarlobbies bekannt ist, dass es mit den Wahlmöglichkeiten der Verbraucher vorbei ist, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen erst einmal zugelassen sind.

Fortsetzung folgt!

                  

9.2.18 21:08, kommentieren

Kleinbauern wird Existenz entzogen-Goslarsche Zeitung, 30.01.2018

3.2.18 17:52, kommentieren