Auf hormonverändernde Chemikalien verzichten

Wie würde es sein, ohne Lebensmittel und Kosmetika, die in Plastik verpackt sind, (hormonverändernde Chemikalien)  zu verzichten?

Ich beziehe mich auf einen Artikel von Katharina Heckendorf aus der Zeit, im Oktober 2019

Für Menschen, die versuchen, sich selbst und  die Umwelt nicht zu sehr zu belasten, kaum Lebensmittel mit  Plastikverpackungen zu benutzen und wenigstens  teilweise biologisch angebaute Lebensmittel kauften, sei  es nicht einfach, so Frau Heckendorf, ohne endokrine Schadstoffe zu leben.

Was sind endokrine Schadstoffe?  Es sind Stoffe, die Hormone beeinflussen und die für Fettleibigkeit, Diabetes, Unfruchtbarkeit und Krebs mitverantwortlich gemacht werden. Mehr als 800 Stoffe gibt es davon. Es sind die Weichmacher Bisphenol A (BPA) und Phthalate, die es in verschiedenen Variationen gibt. Sie stecken in Lebensmittelverpackungen, sind in Waschmittel und Kosmetika zugesetzt. Sie haften als Flammschutzmitteln an Backpaper, haften auf Matratzen und beschichteten Pfannen und Töpfen.  Sie bleiben als Pestizid - Rückstände auf Obst und Gemüse zurück, die in Plastikverpackungen stecken. Der Körper nimmt sie über die Nahrung, die Lunge und über die Haut auf.  

Josef Köhrle,  der Direktor der Gesellschaft für Endokrinologie an der Berliner Charité´ rät dringend dazu, diese Stoffe zu meiden. Die Gesellschaft überlasse dieses Problem dem Markt und seinen Lobbygruppen, und diese Schadstoffe seien  weiterhin überall, so der Direktor. Es bleibt daher dem Einzelnen nicht anderes übrig, als sich selbst schlau zu machen und diese Stoffe in seinen Einkäufen ausfindig zu machen, um sie meiden zu können. Denn die hormonell bedenklichen Stoffe können auch in geringeren Dosen gefährlicher sein, als in großen. Der im Körper einstehende Cocktail verschiedener Chemikalien sei das Problem, so Herr Köhrle.

Frau Heckendorf kam die Idee,  mit Hilfe der App "Codecheck" alle Haushalts und Kosmetikprodukte in ihrem Haushalt zu scannen. Diese listet die Schadstoffe auf, die vermieden werden müssen. Ihr Schreck war groß,:  Denn  es stellte sich heraus, dass in fast allen Produkten hormonwirksame Stoffe enthalten sind. Da ja alles in Plastik verpackt ist, aus dem die Chemikalien in die Produkte übergingen. Make-up, Zahnpasta und Abschminktücher sind besonders betroffen. Zu finden sind Bisphenol A und Phthalate auch in Konserven, in Tetrapaks, in Coffee to go Becher, ebenso  in den Biolebensmitteln, wenn sie in Plastik verpackt sind. Für einen Verzicht kommen also nur die in  Plastik unverpackten  Biolebensmittel in Frage, denn die Rückstände der Pestizide auf konventionellen Lebensmittels  sind es, die ebenfalls hormonell wirksam sind.

Wie also schaffen wir es, auf endokrine Schadstoffe zu verzichten?

Frau Heckendorf machte diesen Selbstversuch, auf alle Produkte zu verzichten, in denen endokrine Schadstoffe enthalten waren.  Essen wollte sie nur Bio - Kost, die nicht in Plastik verpackt ist, sondern in  Glas oder Papier. Alufolie geht auch nicht. Sie hatte Glück, denn in Berlin gibt schon seit einiger Zeit  sogenannte Unverpacktläden. Sie kann dort Reis, Nudeln Linsen, Erbsen und vieles anderes kaufen. Wichtig ist, nur darauf zu achten, dass diese Lebensmittel aus  dem Biologischen Anbau stammen. In ihrem Bioladen fand  sie dann passierte Tomaten im Glas, Sahne und Milch im Glas, Bio- Eier, dazu frisches Obst und Gemüse. Statt Schokolade löffelt sie jetzt  Schokocreme.

In den folgenden Tagen kocht sie:  Dinkelnudeln in Pilz-Sahnesoße mit Rucola, Salat, Kartoffeln und Rührei  mit Olivenöl, Penne mit Mangold-Kürbis-Soße, Burger mit selbstgemachten Kichererbsen Haferflocken Pattys und vieles mehr. Leider fand sie auch im Bioladen Käse, der in Plastik verpackt war. Deshalb musste  sie darauf bestehen, dass Käse vom ganzen Leib aus der Kühlvorrichtung am Tresen  geschnitten wurde.  Es gab aber auch auf dem  Wochenmarkt unverpackten Bio- Käse. Aber sie empfand diese Suche schon als  ganz schön zeitaufwendig.  

Was ist mit Artikeln der Körperpflege?

Nachdem  Frau Heckendorf einen Öko-Deo im Glas gefunden hatte,  leider war der Deckel jedoch wieder aus Kunststoff, verzichtete sie auf herkömmliche Zahnbürsten und putzte ihre Zähne mit einer Holzzahnbürste mit Bio-Nylon-Borsten aus Rizinusöl. Sie nutzte Zahnpastatabletten, die man kauen muss, bis sie schäumen. Gesichtscreme findet sie in Braunglas in Bio-Qualität-zwar wieder  mit Plastikdeckel, aber immerhin.  Trotzdem entpuppt sich die Suche als schwierig, die passende Kosmetik zu finden. Statt Bodylotion benutzte sie Kokosöl in Bio- Qualität und in Glas verpackt. Ihre Wäsche wäscht  sie mit Öko- Waschmittel in Pappe verpackt. Und sie putzt ihren Haushalt mit Natron und  Essig. Sie hat sich außerdem vorgenommen, nur mit einer gusseisernen Pfanne zu braten. Und Backpapier ist passe`. Insgesamt fand sie die Umstellung am Anfang sehr schwierig.

Sie hat sich jedoch gefragt, weshalb all diese schädlichen Zusatzstoffe so zahlreich in allen Produkten vorkämen. Wie ist das möglich? Weshalb gibt es keine Verbote?

Auf seiner Website schreibt der Industrieverband  "Körperpflege und Waschmittel",  dass Kunststoffverpackungen für Lebensmittelkontakt, die auf den EU-Markt gebracht werden, aus deren Sicht sicher seien. Die EU Grenzwerte seien schon konservativ  festgesetzt. Und der Ökotoxikologe Jörg Oehlmann von der Universität Frankfurt behauptet, die Liefer-und Herstellungsketten seien so komplex, dass der Handel komplett überfordert und Zusatzstoffe nicht gekennzeichnet würden.   Es werden Pellets von Kunststoffen verarbeitet, wo Keiner mehr überblickt,  was an Rohstoffen eingebracht wurden. Der Präsident der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie Josef Köhrle bezeichnet die Weichmacher Bisphenol A (BPA) und Phthalate in Plastikstoffen dennoch als Zeitbomben für die menschliche Gesellschaft. Er erinnert an das Vorsorgeprinzip, das in der EU gilt. Denn eigentlich dürfen Stoffe erst dann in Umlauf gebracht werden, wenn man beweisen kann, dass sie unbedenklich sind. Meines Erachtens  braucht es  mehr  Aufklärung für die Verbraucherinnen und Verbraucher, damit sie ihre Rechte auf ungiftige Stoffe in Lebensmittel und Kosmetika einklagen können.   

 

 

  

 

6.1.20 18:58

Letzte Einträge: Komerzielle Forstwirtschaft am Rammelsberg, Feb. 2020, Goslarer "Waldwirtschaft" Leserbrief Goslarer Zeitung Feb. 2020, Forderungen (Antrag an NABU und BUND 2020), Totes Holz, Brennende Gier

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